Am 18. und 19. März 2026 fand das 25. Umformtechnische Kolloquium Hannover (UKH) am Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) statt. Die Veranstaltung brachte erneut Expertinnen und Experten aus Industrie und Forschung zusammen, um aktuelle Entwicklungen, Herausforderungen und Zukunftstrends der Umformtechnik zu diskutieren.
Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages standen insbesondere die Ergebnisse aus dem Sonderforschungsbereich 1153 „Tailored Forming“. Dabei wurde deutlich, welches Potenzial in der Herstellung hybrider Hochleistungsbauteile durch die Kombination unterschiedlicher Werkstoffe liegt. So wurden unter anderem Multimaterialbauweisen vorgestellt, bei denen beispielsweise Stahl mit Nickelbasislegierungen kombiniert wird, um gezielt verbesserte Bauteileigenschaften zu erzielen. Ein weiterer Fokus lag auf der Qualitätssicherung in der Umformtechnik. Ansätze zur 100%igen Inline-Qualitätskontrolle in der Warmmassivumformung zeigten, wie durch gezielte Prozessüberwachung Ausschuss reduziert und gleichzeitig die Prozessstabilität erhöht werden kann. Neben den technischen Lösungen wurden auch die Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Systeme deutlich, insbesondere im Hinblick auf Integration in bestehende Produktionsumgebungen. Weiterhin wurden die Laboreinrichtungen den Teilnehmer präsentiert.
Der zweite Veranstaltungstag war geprägt von Themen rund um Digitalisierung und vernetzte Produktionsprozesse. Unter dem Leitbild „Von der Maschine zum vernetzten Prozess“ wurde aufgezeigt, wie Presswerke durch IoT-Infrastrukturen und datenbasierte Systeme zunehmend intelligenter werden. Dabei reicht die Datennutzung von hochzyklischen Echtzeitdaten für Ursachenanalysen und Live-Alerting bis hin zu aggregierten Kennzahlen zur Prozessüberwachung und KPI-Auswertung.
Ein zentraler Aspekt war die Qualitätssicherung im laufenden Prozess. Moderne Bildverarbeitungssysteme, wie beispielsweise das ABIS-System oder kamerabasierte Lösungen, ermöglichen die automatisierte Erkennung typischer Fehlerbilder wie Risse, Welligkeiten oder Oberflächenfehler. Diese Technologien sind ein wichtiger Baustein für die zunehmend datengetriebene Produktion. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielte eine wesentliche Rolle. Am Beispiel der Stahlproduktion wurde deutlich, dass insbesondere die Herstellungsverfahren entscheidend für die CO₂-Emissionen sind. Gleichzeitig wurde unterstrichen, dass Stahl weiterhin ein zentraler Werkstoff bleibt – insbesondere aufgrund seiner Recyclingfähigkeit, seiner Leistungsfähigkeit und seines Potenzials für Leichtbauanwendungen. Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Produktion stellt dabei sowohl eine große Herausforderung als auch eine Chance für die Industrie dar.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt lag auf aktuellen Forschungsthemen in der Umformtechnik. Hier wurden unter anderem Projekte zur KI-basierten Qualitätssicherung sowie zur Prozessoptimierung vorgestellt. Die Kombination aus Sensorik, Datenanalyse und künstlicher Intelligenz ermöglicht zunehmend eine prozessintegrierte Qualitätskontrolle und eröffnet neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung in der Produktion.
Ergänzt wurden die Fachvorträge durch Beiträge aus der Industrie sowie Kurzpräsentationen ausstellender Unternehmen. Dabei wurden unter anderem neue Technologien im Bereich Laser Blanking, innovative Schmiedeverfahren sowie Lösungen zur Energieoptimierung in der Produktion vorgestellt. Praxisbeispiele zeigten, wie Unternehmen auf steigende Energiekosten reagieren und beispielsweise durch eigene Energieprojekte oder datenbasierte Optimierung ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern.
Neben den fachlichen Inhalten bot die Veranstaltung zahlreiche Möglichkeiten zum Austausch zwischen den Teilnehmenden. Insbesondere die Kombination aus wissenschaftlichen Beiträgen, industriellen Anwendungen und Live-Demonstrationen machte das Kolloquium zu einer wertvollen Plattform für den Wissenstransfer.
Insgesamt zeigte das UKH 2026 eindrucksvoll, dass die Umformtechnik sich in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit und neue Werkstoffkonzepte prägen die zukünftige Entwicklung der Branche und eröffnen gleichzeitig neue Chancen für innovative Produktionslösungen.