Am 26. März 2026 fand in Bad Vilbel die Veranstaltung „Indien als Zukunftsmarkt“ mit rund 50 Teilnehmenden aus dem Industrieverband Massivumformung (IMU) und dem Industrieverband Blechumformung (IBU) statt. Ziel der Veranstaltung war es, die Potenziale Indiens als Absatz-, Beschaffungs- und Arbeitsmarkt sowie aktuelle regulatorische und strategische Entwicklungen zu beleuchten.
Die Veranstaltung gestaltete sich mit Fachvorträgen zu den Themen Personal, Marktentwicklung, Marktzugang, Beschaffung, Freihandelsabkommen sowie Praxiserfahrungen.
Zu Beginn wurde das Thema Fachkräftegewinnung aus Indien behandelt. Es wurde deutlich, dass Indien über den größten Talentpool weltweit verfügt und insbesondere in technischen Berufen großes Potenzial bietet. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen in der Auswahl geeigneter Kandidaten, insbesondere aufgrund der hohen Bewerberzahlen, unterschiedlicher Qualifikationsniveaus und kultureller Unterschiede. Erfolgsentscheidend sind klar definierte Anforderungen, strukturierte Recruiting-Prozesse, geeignete Wohn- und Integrationskonzepte sowie eine intensive Betreuung und Kommunikation während des gesamten Onboarding-Prozesses.
Im Anschluss wurde Indien aus volkswirtschaftlicher Perspektive betrachtet. Das Land zeichnet sich durch ein starkes Wirtschaftswachstum, eine große Binnenmarktdynamik und eine zunehmende Bedeutung als globaler Produktionsstandort aus. Gleichzeitig bestehen weiterhin Markteintrittsbarrieren wie bürokratische Anforderungen, lokale Normen sowie teilweise hohe Importzölle. Unternehmen müssen ihre Produkte und Strategien gezielt an die lokalen Gegebenheiten anpassen und ausreichend zeitliche sowie finanzielle Puffer einplanen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Marktzugang über die BIS-Zertifizierung. Diese stellt eine zentrale Voraussetzung für den Markteintritt in Indien dar und umfasst umfangreiche Prüf-, Dokumentations- und Auditprozesse. Der Zertifizierungsprozess kann mehrere Monate dauern und erfordert eine sorgfältige Vorbereitung sowie die Einbindung lokaler Ansprechpartner. Zudem steigt die Anzahl verpflichtender Produktkategorien kontinuierlich, was die Relevanz regulatorischer Compliance weiter erhöht.
Im Bereich Beschaffung und Sourcing wurde Indien als strategisch wichtiger Baustein für resilientere Lieferketten eingeordnet. Unternehmen profitieren von wettbewerbsfähigen Kostenstrukturen und wachsenden industriellen Kapazitäten. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen hinsichtlich Qualitätssicherung, Kommunikation, Logistik und kultureller Unterschiede. Erfolgreiches Indien-Sourcing erfordert daher eine langfristige strategische Ausrichtung, sorgfältige Lieferantenauswahl sowie partnerschaftliche Zusammenarbeit.
Ein zentrales Thema war zudem das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien, das voraussichtlich zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 in Kraft treten könnte. Das Abkommen gilt als eines der bedeutendsten Handelsabkommen weltweit und verspricht erhebliche Zollsenkungen sowie verbesserte Marktzugänge für europäische Unternehmen. Insbesondere Industriebranchen wie Maschinenbau, Automobil und Chemie werden davon profitieren. Gleichzeitig sind Unternehmen gefordert, sich frühzeitig mit Ursprungsregeln und regulatorischen Anforderungen auseinanderzusetzen.
Abschließend wurden praxisnahe Erfahrungen zum Markteintritt und zur lokalen Produktion in Indien vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass ein erfolgreicher Markteintritt eine klare strategische Ausrichtung, geeignete Governance-Strukturen sowie ein hohes Maß an kultureller Anpassungsfähigkeit erfordert. Indien sollte dabei nicht als Ersatz bestehender Standorte, sondern als Ergänzung zur Diversifizierung und Absicherung globaler Wertschöpfungsketten betrachtet werden.
Fazit:
Indien bietet für die deutsche Industrie erhebliche Chancen als Wachstums-, Beschaffungs- und Arbeitsmarkt. Gleichzeitig erfordert ein Engagement vor Ort eine langfristige Strategie, interkulturelles Verständnis sowie eine sorgfältige Berücksichtigung regulatorischer und organisatorischer Rahmenbedingungen.