Die europäische und deutsche Massivumformung fordert die Ausweitung des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) auf nachgelagerte Produkte. Eine aktuelle Analyse von EUROFORGE zeigt klar: Die Branche erfüllt die Kriterien der EU-Kommission – wird aber bislang nur unzureichend erfasst.
Industriepolitische Ausgangslage
Die Massivumformung ist energieintensiv und systemrelevant.
- Hoher Einsatz von Strom und Erdgas
- Schlüsselrolle für Mobilität, Maschinenbau, Energie und Windkraft
- Deutschland: Marktführer in Europa (>40 %) und weltweit Nr. 3
Gleichzeitig verschärft sich der internationale Wettbewerb deutlich:
- steigende Energiepreise in Europa
- zunehmende Importe aus Ländern ohne CO₂-Bepreisung
- wachsende Belastung durch ETS-Kosten
Die Branche steht bereits heute unter massivem Kostendruck – ohne regulatorischen Ausgleich drohen strukturelle Wettbewerbsnachteile.
Analyse: Kriterien der EU-Kommission klar erfüllt
Die EU definiert drei zentrale Schwellenwerte für die CBAM-Ausweitung:
- Handelsintensität > 10 %
- Cost Push > 5 %
- Eingebettete Emissionen > 150 kt CO₂
Ergebnis der EUROFORGE-Analyse für NACE 2550:
- Handelsintensität: 21,3–38,7 %
- Cost Push: 13,4 %
- Emissionen: 20 von 26 Produktgruppen über Schwelle
Die Kriterien werden also nicht nur erfüllt, sondern deutlich überschritten. Die Einbeziehung ist sachlich zwingend.
Zentrales Problem: Unvollständige Abdeckung im CBAM
Trotz klarer Faktenlage:
- 67 relevante CN-Codes für Schmiedeprodukte identifiziert
- nur 15 Codes aktuell im CBAM-Vorschlag enthalten
Hintergrund sind Datenlücken in EUROSTAT und die methodische Komplexität bei nachgelagerten Produkten
Die Untererfassung ist technisch bedingt – nicht inhaltlich gerechtfertigt.
Konsequenzen für die Branche
Ohne Anpassung des CBAM drohen:
- Carbon Leakage in der Weiterverarbeitung
- Verlagerung von Wertschöpfung
- Wettbewerbsverzerrungen zulasten europäischer Hersteller
Mit konsequenter Anwendung:
- Schutz vor unfairen Importen
- Level Playing Field im globalen Wettbewerb
Position und Forderung
Die Massivumformung fordert daher die Einbeziehung von NACE 2550-Produkten in den CBAM-Scope, die vollständige Abbildung der Wertschöpfungskette und die Anwendung der EU-Methodik ohne Ausnahmen.
Kontakt für Rückfragen:
Tobias Hain
EUROFORGE Generalsekretär / IMU-Geschäftsführer
hain(at)euroforge.org
hain(at)massivumformung.de