Fachbeiträge ...entscheidend ist die Gesamtkostenstruktur. „Schon ein kurzer Blick auf die Kos tenstruk tur von Massivumformteilen zeigt, dass der Lohn nur einen vergleichsweise kleinen An teil ausmacht“, erläutert Dipl.- Ing. Manfred Vogel, Executive Vice Presi dent Sales der Neumayer Tekfor Group in Offenburg. Den Löwenanteil von zirka 50 bis 80 Prozent stell ten dagegen zunächst einmal die Ma te ri al auf wen dungen dar, und Stahlpreise seien heut zu tage welt weit vergleichbar. Ganz be son ders gelte dies für die höherwertigen Stahl sorten, die bei Qualitätsschmiedeteilen bevor zugt zum Einsatz kommen. Hier gehe es um Auswahl, Verfügbarkeit und Konstanz der Eigenschaften, und da seien euro päische Stahlhersteller im weltweiten Ver gleich Spitze. Als weiteren wichtigen Fak tor müsse man die Strom kos ten nen nen, und hier erwiesen sich die Un ter schiede zwischen Europa und den Bil lig lohnländern in der Regel als nicht all zu er heblich. Häufig unterschätzt würden auch die Trans port kos ten, die bei Stahlteilen aufgrund ihres Ge wichts recht hoch ausfielen. Wei te rer Stand ort vorteil Deutschlands sei der leis tungs fä hige Werkzeugbau, der über bes tens qua lifizierte Mitarbeiter und eine ein ma li ge Auswahl hochentwickelter Werkzeug stäh le verfüge. Gute Werkzeuge seien 40 Schmiede-Journal März 2011 wiederum Vor aus setzung für hohe Pro dukti vi tät, hohe An la gen verfügbarkeit sowie nied rige Aus schuss quoten. Ein ganz entscheidender Aspekt sei das Qualifi kationsniveau der deutschen Be legschaften. Diese verfügten über einen hohen Ausbildungsstand sowie umfassende Praxis er fah rung und beherrschten ihre oft kom plexen Prozesse auf einem Niveau, das welt weit jedem Vergleich standhalte. Hinzu komme, dass der hohe Automatisierungsgrad heu tiger Anlagen Lohn kostenunterschiede nochmals minimiere: Moderne Mas siv umform li nien können mit lediglich ein bis zwei Mit ar bei tern pro Schicht im Jahr bis zu 30 Mio. Teile ausstoβen. Vorsprung bei Präzisionsteilen „Unsere Spezialität sind Prä zi si onsschmie de teile für höchste Ansprüche, und da sind wir der Konkurrenz aus Bil lig lohnländern eindeutig voraus“, sagt Dr. Stefan Witt, Geschäftsführer der Sona BLW Prä zisi ons schmiede GmbH in Remscheid. Zwar gebe es beispielsweise in China mittlerweile auch hochmoderne Betriebe, die komplett mit neuester Massivumformtechnologie aus Japan ausgestattet wurden. Die Praxis zeige jedoch, dass das Drücken von Knöpfen allein nicht ausreicht. In der betrieblichen Realität treten unweigerlich Störfaktoren auf, die nicht in den Handbüchern stehen. Dann zeige sich der entscheidende Unterschied im Faktor Mensch, gehe es um Qualifi kation, Erfahrung und auch um die Mentalität der Belegschaft. Die zumeist hoch motivierten deutschen Belegschaften, die ihrem Betrieb oft ein ganzes Arbeitsleben lang die Treue halten, verfügten über einen umfassenden Schatz an Erfahrungen sowie viel Eigeninitiative. Dies ermögliche es ihnen, Probleme wesentlich schnel ler und effi zienter anzugehen als jemand, der sich weitgehend auf Theorie und Be triebs hand bücher verlassen müsse. Die in seiner international aufgestellten Gruppe ge machten Erfahrungen belegten, dass der Stapel verkaufsfähiger Teile, der am Ende eines defi nierten Produktionszeitraums von der Maschine in den Versand gehen könne, auch bei vergleichbarer Ausstattung in deutschen Werken meist merklich größer sei als in Billiglohnländern. Ebenso wichtig seien auch die Fähigkeiten hiesiger Techniker und Ingenieure in den Berei chen Engineering, Werkzeugauslegung und Fertigungstechnik. Auch hier zähle die Er fah rung, gerade auch dann, wenn es da rum gehe, zusammen mit dem Kunden das vorge schla gene Design zu optimieren. Solche Mit ar beiter kennen die Möglichkeiten und Gren zen „ihres“ Prozesses aus dem Effeff und wüssten, wie ein Teil zu konstruieren sei, damit es fertigungstechnisch optimal zu pro du zie ren ist. Deutsche Hochleistungsschrauben für China „Wir liefern bereits seit etwa vier bis fünf Jah ren massivumgeformte Schrauben in gro ßen Stückzahlen nach China“, weiβ Dr.-Ing. Gunther Hartmann, Leiter F&E der Kamax-Gruppe in Homberg (Ohm). Das entspre chende Volumen erreiche mittlerweile eine zweistellige Millionensumme, und wei te res Wachstum sei eigentlich zu er warten, werde zur Zeit jedoch leider durch einen aufgrund von Handelsstreitigkeiten mit der Europäischen Union erhobenen chi nesi schen Anti-Dumping-Zoll in Höhe von 25 Prozent gehemmt. Geliefert würden hoch feste, kalt umgeformte Schrauben für den Mo to ren bau im Pkw- und Lkw-Sek tor, die für die Verschraubung von Zy lin derkopf, Hauptlagerdeckel oder Pleueln einge setzt werden. Sie seien kritisch für die ein wand freie Funktion des Motors. Schon ein einziger Defekt – worunter auch schon ein Lockerwerden zu verstehen ist – würde zu einem Totalschaden des Motors führen. Dementsprechend hoch sind die Erwar tungen der Hersteller bezüglich ihrer Ausfallsicherheit. Auf diesem Gebiet verfüge Kamax über einen derartigen Knowhow Vorsprung, dass man mittlerweile nicht nur für die chinesischen Werke westlicher Her steller interessant geworden sei. „Unsere Spezialität sind Prä zi si ons schmie de teile für höchste Ansprüche, und da sind wir der Konkurrenz aus Bil lig lohnländern eindeutig voraus“. Dr. Stefan Witt Bild: Sona BLW „Im internationalen Wettbe werb setzen wir auf eine Vorwärtsstrategie: Wir fol gen unseren Kunden ins Ausland, um dort Pro duk tio nen auf zubauen“. Dr.-Ing. Dirk Landgrebe Foto: Hirschvogel „Schon ein kurzer Blick auf die Kos ten struk tur von Schmiedeteilen zeigt, dass der Lohn nur einen vergleichsweise klei nen Anteil ausmacht“. Dipl.-Ing. Manfred Vogel Foto: Neumayer Tekfor „Wir liefern bereits seit etwa vier bis fünf Jahren m a s s i v u m g e f o r m t e Schrau ben in großen Stück zahlen nach China“. Dr.-Ing. Gunther Hartmann Foto: Kamax
2011-03-Schmiede-Journal
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