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Wieland der Schmied - Gans scharf

Hauptgestalt einer früh in Mittel- und Westeuropa verbreiteten, hauptsächlich in der Edda überlieferten Sage war Wieland der Schmied. Seine Werkstatt soll tief im Wald des südlichen Siegerlandes bei Wielandsdorf (heute Wilnsdorf) gelegen haben. Interessant ist die Überlieferung einer Schmiedetechnik, mit der das sagenhafte Schwert "Mimung" hergestellt wurde: "Wieland suchte das beste Stück Eisen, das er finden konnte, und glühte und hämmerte und härtete es 7 Tage.

Danach feilte er das fertige Schwert in lauter kleine, winzige Eisenspäne. Derweil hatte er Gänse gefangen, die drei Tage lang keinen Bissen zu essen bekommen hatten. Als sein scheinbar zerstörerisches Werk endete, mischte er die feinen Späne unter das Gänsefutter und gab es dem hungrigen Federvieh. Den anschließend produzierten Kot der Vögel sammelte er und siebte im Wasser die Eisenspäne heraus.

Diese wiederum schmolz er ein und hämmerte sie zu noch härterem Stahl. Dann wiederholte er den Vorgang noch einmal und demonstrierte seinem König die herausragende Schärfe des Schwertes.

Er hielt das Schwert ins Wasser, warf ein Stück Filz hinein und ließ den Filz gegen die Schneide treiben. Scharf schnitt das Schwert den Filz entzwei."
Bis zum Jahr 1936 galt dieses Herstellungsverfahren als reine Sage. In einem Forschungslabor in Düsseldorf wurde der Schmiedevorgang dann nachvollzogen und erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass dieser über den Umweg Gänsemagen erzeugte Stahl besser war als alle anderen damals herstellbaren Stähle.

Dieses ungewöhnliche Verfahren der Stahlhärtung ist eine frühe Form der Nitrathärtung, bei der die Oberflächenschicht des Stahles durch Reaktion mit stickstoffab- gebenden Substanzen gehärtet wird. Stickstoffatome, die in den Stahl eindiffundieren, verbinden sich mit Eisen und Legierungsbestandteilen zu Nitriden und bewirken so eine erhöhte Härte der Randschicht.